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Wegen Kirchenasyl ins Gefängnis?

„Ich hätte nicht gedacht, dass man bestraft werden kann, wenn man anderen Menschen hilft“, so Äbtissin Mechthild Thürmer im Gespräch mit PEERplus, der Schülerzeitung des Egbert-Gymnasiums. Die Jungjournalisten hatten sie zum Streit um das Thema „Kirchenasyl“ befragt. Mutter Mechthild, Äbtissin der Benediktinerinnen-Abtei „Maria Frieden“ von Kirchschletten bei Bamberg, wird sich vor Gericht verantworten müssen, weil sie im konkreten Fall drei Asylbewerberinnen, die abgeschoben werden sollten, in die Obhut ihres Klosters aufgenommen hat. Es droht sogar eine Gefängnisstrafe.

Mutter Mechthild schilderte gegenüber den PEER-Redakteuren die Schicksale, die die drei Frauen erleben mussten. Dabei ging es unter anderem um Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Gewalt. Wegen dieser menschenunwürdigen Behandlung sei eine Abschiebung nicht zumutbar gewesen, und deshalb bot sie ihre Hilfe an. Ihre christlich-benediktinische spiele dabei sicher eine Rolle, aber sie will das gar nicht als alleinige Richtschnur ihres Handelns gelten lassen: „Ich habe nicht gleich an den barmherzigen Samariter gedacht. Es ging vielmehr darum: Ein Mensch brauchte Hilfe, und ich habe sie im Rahmen meiner Möglichkeiten gewährt. Das würde man doch von jedem Menschen erwarten, auch außerhalb des Klosters.“ Die Unterstützung ihrer Mitschwestern ist ihr bei ihrem Vorgehen gewiss.

Post von der Staatsanwaltschaft hatte Mutter Mechthild schon häufiger bekommen, immerhin sind es über 30 Personen, denen sie im Laufe der Jahre Kirchenasyl geboten hat. Während diese Verfahren in der Regel wegen Geringfügigkeit eingestellt wurden, änderte die Staatsanwaltschaft im Frühjahr 2020 ihr Vorgehen: Eine Strafe von 2500 Euro wurde verhängt. Weil Mutter Mechthild Widerspruch einlegte und nicht zahlen wollte, sollte es zum Prozess kommen. Der Termin dafür wurde allerdings, wohl auch wegen der Corona-Pandemie, mehrmals verschoben und steht noch aus. Doch trotz dieser Ungewissheit zeigt sich Mutter Mechthild unbeeindruckt: „Ich kann gut schlafen, ich habe keine Angst.“

In der Schülerzeitungsredaktion des EGM war schon im Vorfeld des Gesprächs viel über Mutter Mechthilds Position diskutiert worden. Auf der einen Seite muss der Staat ein rechtsstaatliches Verfahren garantieren und es gilt die Gleichheit vor dem Gesetz, auf der anderen Seite steht die Berufung auf das eigene Gewissen als letzter Instanz des Handelns. Auf dieses Problem angesprochen, gab Mutter Mechthild zu bedenken, dass es trotz notwendiger, allgemeiner Regeln einzelne Härtefälle gebe, die durch die staatliche Prüfung zu wenig gewürdigt werden. „Für sie muss es noch einen geschützten Kirchenraum geben.“

Mutter Mechthild räumte ein, dass sich in ihrem Kloster auch schon Personen gemeldet hätten, bei denen sie keine besondere Härte erkennen konnte und die sie dann auch nicht aufnahm. Auch gab es Asylbewerber, die sich während ihres Aufenthalts nicht an der klösterlichen Zusammenarbeit beteiligen wollten. „Da waren schon einmal deutliche Worte unseres landwirtschaftlichen Verwalters nötig, um sie zur Vernunft zu bringen – sie waren es nicht gewohnt, sich von Frauen generell etwas sagen zu lassen.“ Die Menschen, die in der Obhut des Klosters seien, müssten nicht an den Gebetszeiten teilnehmen und kein Schweinefleisch essen, wenn sie nicht wollten, aber sie sollten schon einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten, die sie ja unterstütze.

Die Äbtissin blickt auf sehr viele positive Erfahrungen zurück und sieht in der Art, wie sich Menschen integrieren wollen, einen Schlüssel für die künftige Migrationspolitik: „Wir brauchen ja in ganz vielen Bereichen junge, motivierte Mitarbeiter. Wir suchen sie händeringend – in der Pflege, im Handwerk, in der Landwirtschaft. Warum finden wir da nicht einen Weg, dass wir die Asylsuche mit der nötigen Arbeitsmigration verbinden?“, so Mutter Mechthild, die sich auch eine Form der Bewährung vorstellen könnte: „Wer sich hier im Kloster über Wochen und Monate integriert und eingegliedert hat, den könnten wir für einen weiteren Aufenthalt empfehlen.“ Momentan befinden sich übrigens keine Asylbewerber im Kloster „Maria Frieden“: Wegen der Corona-Pandemie herrscht ein weitgehender Abschiebestopp, entsprechend gibt es aktuell niemanden, den das Kloster beherbergen muss.

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