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Schülerinnen und Schüler auf der im blauen Licht getauchten Theaterbühne

Anpassung statt Individualität?

Oberstufentheater des EGM beeindruckt mit anspruchsvoller Werkstattaufführung

Einen eindrucksvollen und nachdenklich stimmenden Abschluss der Theateraufführungen im Rahmen der Kulturwoche des Egbert-Gymnasiums bildete der Theaterkurs der Oberstufe mit der Werkstattaufführung des Stücks „Nachtschattengewächse“ von Johannes Hoffmann. Unter der Leitung von Michael Aust wagten sich die Schülerinnen und Schüler an einen anspruchsvollen Stoff, der aktuelle gesellschaftliche Fragen mit einer beklemmenden Zukunftsvision verbindet.

Das Stück entführt das Publikum in eine Welt, in der Jugendliche ohne Erwachsene leben und ihre Gesellschaft nach strengen Regeln organisiert haben. Leistung, Disziplin und Anpassung bestimmen den Alltag. Erinnerungen an die Vergangenheit werden ausgelöscht, körperliche Ertüchtigung und makellose Ordnung gelten als höchste Tugenden. Individualität scheint keinen Platz mehr zu haben – zumindest am Tag, wenn Kontrolle das Leben bestimmt.

Doch mit der Nacht verändert sich alles. Im Schutz der Dunkelheit kehren Erinnerungen, Sehnsüchte und Gefühle zurück. Heimlich werden Gedanken geteilt, Träume bewahrt und Zweifel ausgesprochen. Als schließlich Henrique in diese abgeschottete Gemeinschaft eintritt und mit unbequemen Fragen, Offenheit und seinem Freiheitsdrang die bestehende Ordnung infrage stellt, gerät das fragile System zunehmend ins Wanken.

Die Inszenierung überzeugte durch ihre intensive Atmosphäre und das engagierte Spiel des Ensembles. Mit großer Ausdruckskraft gelang es den Darstellerinnen und Darstellern, den Gegensatz zwischen äußerer Anpassung und innerem Widerstand sichtbar zu machen. Präzise choreografierte Gruppenszenen vermittelten die Strenge des Systems, während die nächtlichen Szenen durch ihre emotionale Tiefe und ihre leisen Zwischentöne besonders berührten.

Regisseur Michael Aust setzte bewusst auf eine reduzierte, konzentrierte Inszenierung, die den Figuren und ihren Konflikten viel Raum ließ. So entstand ein dichtes Theatererlebnis, das die Zuschauerinnen und Zuschauer bis zum Schluss fesselte und weit über das Bühnengeschehen hinaus Fragen aufwarf: Wie viel Individualität verträgt eine Gemeinschaft? Wo endet Erziehung und wo beginnt Manipulation? Und wie wichtig sind Erinnerung, Freiheit und Selbstbestimmung für ein menschliches Zusammenleben? Die Werkstattaufführung machte deutlich, mit welcher Ernsthaftigkeit und künstlerischen Reife sich der Oberstufenkurs anspruchsvollen Themen nähert.

Text und Foto: Dr. Reinhard Klos