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Empathie statt Barbarei

Empathie statt Barbarei

Egbert-Gymnasium feiert 125-jähriges Jubiläum mit Bundespräsident a.D. Christian Wulff

Münsterschwarzach. Mit einem feierlichen Festtag hat das Egbert-Gymnasium Münsterschwarzach (EGM) am Donnerstag sein 125-jähriges Bestehen begangen. Der Jubiläumstag verband benediktinische Tradition, bewegende Rückblicke und den Blick in die Zukunft. Höhepunkt war der Festakt im Theatersaal mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff als Festredner. Seine Botschaft: Gerade in einer Zeit rasanter technischer Entwicklungen bleiben Empathie, demokratische Verantwortung und eine starke Persönlichkeit die entscheidenden Grundlagen von Bildung.

Bereits am frühen Abend hatte das Jubiläum mit einer festlichen Vesper in der Abteikirche begonnen. Gemeinsam mit den Mönchen der Abtei, zahlreichen Gästen sowie der Schulfamilie wurde der Gottesdienst gefeiert. Abt Michael Reepen erinnerte an die lange Verbindung zwischen Kloster und Schule und an den benediktinischen Bildungsauftrag, der das Egbert-Gymnasium seit seiner Gründung prägt. Für die musikalische Gestaltung sorgten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums mit Harfenklängen, Organist Christoph Schafferhans sowie der Schulchor unter der Leitung von Mechthild Binzenhöfer.

Anschließend versammelten sich die Gäste im Theatersaal zum Festakt. Schulleiter Markus Binzenhöfer stellte seine Ansprache unter den Leitgedanken der Benediktsregel. „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters“ – der erste Satz der Regel des heiligen Benedikt sei bis heute wegweisend für das pädagogische Selbstverständnis der Schule. Hören bedeute weit mehr als akustisches Wahrnehmen. Es sei die Grundlage allen Lehrens und Lernens, Ausdruck von Respekt und Aufmerksamkeit gegenüber dem Mitmenschen und Voraussetzung für gelingende Bildung. Gerade in einer Zeit permanenter Reizüberflutung gewinne diese Fähigkeit zunehmend an Bedeutung.

Im Namen der Ehrengäste sprach der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Unterfranken, Dr. Robert Christoph. Er würdigte das Egbert-Gymnasium als wichtigen Bestandteil einer vielfältigen bayerischen Schullandschaft. Privatschulen wie das EGM bereicherten das Bildungsangebot und setzten eigene pädagogische Akzente. Besonders hob Christoph die erfolgreiche Profilbildung der Schule in den Bereichen Musik, Theater und Sport hervor. Als Lehrer für Deutsch, Latein und Italienisch zeigte er sich zudem erfreut über das altsprachliche Profil des Gymnasiums. Sein ausdrücklicher Dank galt der Abtei Münsterschwarzach, dem Freistaat Bayern und der Diözese Würzburg, die gemeinsam die umfangreiche Generalsanierung des Schulcampus ermöglicht hätten. Mit den lateinischen Worten „Ad multos felices annos“ – auf viele glückliche Jahre – gratulierte er der Schulfamilie zum Jubiläum.

Den Höhepunkt des Festaktes bildete die Festrede des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Bedeutung der Empathie für Erziehung, Gesellschaft und Demokratie. Er griff dabei eine aktuelle Debatte auf und zitierte Elon Musk, der ein „Zuviel“ an Empathie als entscheidende Schwäche Deutschlands bezeichnet habe. Dem stellte Wulff bewusst die Worte der Philosophin Hannah Arendt entgegen: „Der Tod der menschlichen Empathie ist eines der frühsten und deutlichsten Zeichen dafür, dass eine Kultur gerade in die Barbarei verfällt.“

Empathie sei keine Schwäche, sondern die Grundlage eines respektvollen Miteinanders und einer funktionierenden Demokratie, betonte Wulff. Freiheit und Demokratie seien keineswegs selbstverständlich. Jede Generation müsse sie neu erhalten, ausgestalten und notfalls auch erkämpfen. Um den historischen Wandel zu verdeutlichen, erinnerte er daran, dass ein Mensch, der in seinem Geburtsjahr 1959 so alt gewesen sei wie er heute, bereits zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise erlebt habe. Seine eigene Generation dagegen habe das große Privileg gehabt, in Frieden aufzuwachsen. Daraus erwachse die Verpflichtung, diesen Frieden und die freiheitliche Ordnung für kommende Generationen zu bewahren.

Auch die Zukunft der Schule nahm Wulff in den Blick. Je stärker die Künstliche Intelligenz den Menschen Aufgaben abnehme, desto wichtiger werde die Persönlichkeit. Wissen allein reiche künftig nicht mehr aus. Entscheidend seien Charakter, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Beziehungen zu gestalten. Gerade christlich geprägte Schulen könnten hier einen besonderen Beitrag leisten, indem sie Eigenverantwortung stärkten und junge Menschen dazu ermutigten, für andere da zu sein.

Zwischen den Redebeiträgen sorgten Videoeinspielungen für bewegende Rückblicke auf die Geschichte des Egbert-Gymnasiums. Martin Pohl, Mitarbeiter in der Schulleitung, und Dr. Matthias Gahr zeichneten die Entwicklung der Schule nach – von den Anfängen im ehemaligen Ludwigsbad in Wipfeld über den Ausbau zum Vollgymnasium in den 1980er Jahren und den Bau der Voltigierhalle bis hin zum heutigen, umfassend generalsanierten Schulcampus. Historische Aufnahmen und persönliche Erinnerungen machten deutlich, wie sehr sich die Schule in den vergangenen 125 Jahren verändert hat und zugleich ihren benediktinischen Wurzeln treu geblieben ist.

Musikalisch wurde der Festakt von zahlreichen Schülerinnen und Schülern gestaltet und unterstrich eindrucksvoll das kulturelle Profil des Gymnasiums. Sophie Fledering begeisterte mit ihrem Oboenspiel, Jona Meidel überzeugte als Solosänger, Franz Baumann am Saxophon und Jonathan Kalb am Klavier sorgten für weitere glanzvolle Akzente. Die Beiträge der jungen Musikerinnen und Musiker verliehen der Feier eine festliche und zugleich persönliche Atmosphäre.

Nach dem offiziellen Festakt klang das Jubiläum in entspannter Atmosphäre aus. Im grünen Innenhof der Schule kamen Gäste, Ehemalige und Mitglieder der Schulfamilie bei kulinarischen Spezialitäten aus der Klosterküche miteinander ins Gespräch. Für den musikalischen Ausklang sorgte die Big Band des Egbert-Gymnasiums unter der Leitung von Constantin Köblitz mit beschwingten Serenadenklängen. Heiß begehrt war dann auch die unter den Gästen verteilte Festschrift, die Dr. Matthias Gahr und Prof. Johannes Mahr angefertigt hatten.