
Gemeinsam für die psychische Gesundheit
Egbert-Gymnasium beim Schulentwicklungstag in Würzburg
Die Zahlen rütteln auf und lassen keinen Raum für Beschönigungen: Rund 30 Prozent aller Kinder in Deutschland weisen eine Risikolage für ihren Bildungserfolg auf, während gleichzeitig in Bayern etwa 3.500 Schülerinnen und Schüler auf eine einzige schulpsychologische Kraft kommen. Mit diesen und weiteren drastischen Erkenntnissen wurden fünf Lehrkräfte des Egbert-Gymnasiums konfrontiert, die am Schulentwicklungstag an der Universität Würzburg teilnahmen. Die Tagung stand in diesem Jahr unter dem drängenden Leitthema: „Auffälliges Verhalten verstehen – die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern stärken“.
Im vollbesetzten Hörsaalgebäude am Hubland zog der renommierte Psychologe Prof. Dr. Wolfgang Lenhard in seinem Impulsvortrag eine ungeschönte Bestandsaufnahme zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Lenhard legte offen, dass die Lesekompetenz weltweit seit 2012 kontinuierlich sinkt – ein Drittel der Jugendlichen erreicht nicht einmal mehr die grundlegende Kompetenzstufe 2. Demgegenüber steht eine besorgniserregende Digitalnutzung: Im Schnitt verbringen Jugendliche täglich 230 Minuten ihrer Freizeit online. Besonders alarmierend: Ein Fünftel aller Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren zeigt bereits eine pathologische Störung durch digitale Abhängigkeit. Das Anlegen eines Social-Media-Kontos müsse man heute, so Lenhard, als handfesten Risikofaktor für Angststörungen, Essstörungen und Depressionen werten, die insbesondere bei Mädchen ab dem 13. Lebensjahr sprunghaft ansteigen. Einzig positive Randnotiz: Die Jugendkriminalität in und außerhalb von Schulen ist rückläufig.
In der anschließenden, von Andreas Jungbauer (Mainpost) moderierten Podiumsdiskussion wurde der akute Handlungsbedarf noch deutlicher. Dr. Arne Bürger von der Würzburger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie berichtete von dramatischen Wartezeiten von sechs bis acht Monaten auf einen Therapieplatz. Er mahnte an, dass in unserer Gesellschaft zu wenig wertschätzend miteinander gesprochen werde. Im verletzlichen Jugendalter helfe oft nur das gemeinsame Wahrnehmen von Problemen wie Selbstverletzungen sowie das bewusste Einlegen digitaler Pausen.
Hier setzte auch Ulf Cronenberg von der Schulberatungsstelle Unterfranken an. Er forderte, Prävention und Emotionsregulation – also das Erlernen des Umgangs mit negativen Gefühlen und die Stärkung der Selbstbehauptung – fest im Schulalltag zu verankern. Wichtig sei hierbei die präventive Arbeit mit den Eltern, bevor Krisen eskalieren. Stefanie Frahsek von der Familien- und Erziehungsberatungsstelle betonte zudem, dass gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Schule und Elternhaus nicht weiterhelfen.
Für das Quintett des Egbert-Gymnasiums war nach der Theorie noch lange nicht Schluss: Am Nachmittag folgten praxisnahe Workshops zur Vertiefung. Die dort gewonnenen Impulse zur Achtsamkeit, Suchtprävention und Resilienzförderung sollen nun direkt in den Schulalltag einfließen. Das Ziel ist klar: Das Egbert-Gymnasium will ein Ort bleiben, an dem auffälliges Verhalten frühzeitig verstanden und die psychische Gesundheit der Schulgemeinschaft aktiv gestärkt wird.
Text: Dr. Reinhard Klos

