Plätzchen für Gefangene

  

Still wurde es in den Reihen der Fünftklässler, als der Brief von Gefängnisseelsorger Georg Ruhsert verlesen wurde: „Ich möchte euch Danke sagen für die tolle Plätzchenaktion. Wir bringen am 23.12. jedem Gefangenen eine Tüte von euren Plätzchen als Weihnachtsgruß in die Zelle. Und ich werde natürlich erzählen, dass ihr die gebacken habt. Ich bin mir sicher, dass sie deshalb für viele Häftlinge etwas ganz Besonderes sein werden; denn sie bedeuten: Da interessieren sich völlig unbekannte Fünftklässer dafür, wie es mir als Gefangenem geht! Und das hilft ein bisschen, wenn die Weihnachtstage in der Zelle schwer werden.“

Schon seit drei Wochen machen sich die Schüler und Schülerinnen der 5. Klasse des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach im Religionsunterricht Gedanken, wie Weihnachten wahrhaftig zu feiern sei. Dabei gab es auch heiße Diskussionen, zum Beispiel darüber, ob man trotz Schuld Geschenke verdient habe. Beim gemeinsamen Nachdenken entdeckten die Kinder selbst, dass es keinen Menschen ohne Schuld gibt und dass man Geschenke nicht verdienen, sondern einfach nur unverdient empfangen kann.

Am Montag, den 16.12. versammelten sich alle Fünftklässler in der Schulkapelle und hörten dort eine Geschichte über die verwandelnden Kraft der Liebe. Jeder Mensch lebt von dem Ansehen, dass er in den Augen anderer hat. Und wenn man, trotz begangener Schuld, nicht mehr als Verbrecher, sondern als Mensch angesehen wird, dann kann etwas Neues beginnen.

Die vielen gefüllten Plätzchentüten, die von den Kindern zusammen getragen wurden, möchten ein Zeichen des freundlichen Ansehens sein. Und so endet der Brief des Gefängnisseelsorgers an die Kinder so: „Weihnachten ist für viele Gefangene die schlimmste Zeit. Aber es hilft ihnen, dass sich jemand für ihr Leben, für ihre Geschichte interessiert. Mancher wird nach der Entlassung wieder rückfällig, vielen bleiben aber auch positive Erfahrungen, die ihnen später im Leben helfen.“

 

 

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