Compassion
Das Compassion-Praktikum
Die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe leisten in der Zeit um das Zwischenzeugnis ein zweiwöchiges Praktikum in sozialen Einrichtungen wie zum Beispiel Seniorenheimen, Krankenhäusern, Förderschulen und weiteren caritativen Einrichtungen ab. Dabei soll ihnen der Blick geöffnet werden weg von den Gewinnern der Gesellschaft hin zu den Verlierern und Bedürftigen.
Dieses Praktikum wird eingebettet in ein ausgefeiltes Konzept der Vor- und Nachbereitung, wobei dem Fachunterricht neben besonderen Vorträgen und Informationsveranstaltungen, die ganz gezielt auf das Praktikum vorbereiten, die entscheidende Rolle zukommt das Bevorstehende zu begreifen. Das Erfahrene und Erlebte wird am Rückkehrtag zunächst mit den Betreuern des Compassion-Praktikums besprochen und im weiteren Verlauf im Unterricht aufgearbeitet.
In dieser Verknüpfung von außerschulischem Ereignis und unterrichtlicher Reflexion liegt der besondere Ansatz des Projektes. Dieses geht zurück auf eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und wird bisher von etwa 50 katholischen Schulen in freier Trägerschaft praktiziert. Es wurde in einem zweijährigen Pilotprojekt der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in Zusammenarbeit mit der Schulstiftung der Erzbischöfe erprobt und wissenschaftlich erforscht. Professor Lothar Kuld ist von Beginn an an der Konzeption des Compassion-Projekts beteiligt.
Die konkrete Umsetzung des Compassion-Praktikums erfolgt am EGM wie folgt:
Im September wird die gesamte 11. Jahrgangsstufe von einem Vertreter einer sozialen Einrichtung über Aufgabenbereiche und Zielsetzungen dieser Institution informiert. Im Anschluss an diesen Vortrag werden weitere Praktikumsplätze vorgestellt und eine erste Verteilung der Schüler festgelegt.
Ende Januar – kurz vor Praktikumsbeginn- erhalten die Schülerinnen und Schüler von einem Arzt, einem Seelsorger und dem Compassion-Team Informationen über kompetentes Verhalten während ihres Einsatzes.
Die Praktikanten werden im Rahmen eines Gottesdienstes in das Praktikum entlassen. Während des Praktikums betreuen die in der 11. Jahrgangsstufe unterrichtenden Lehrkräfte die Praktikanten. Auch eine seelsorgerische Begleitung wird angeboten.
Nach dem Praktikum treffen sich alle Schülerinnen und Schüler zu einem gemeinsamen Frühstück in der Schule. Hier können erste Erfahrungen ausgetauscht werden. Ein Gottesdienst oder eine Meditation schließen sich an. Dann folgt die Nachbereitung in kleineren Arbeitsgruppen oder im Klassenverband. Ein Praktikumsbericht fasst die individuellen Erfahrungen und Erlebnisse zusammen.
Neben diesen Aktivitäten steht natürlich auch stets die Begleitung des Projektes durch die jeweiligen Fachlehrer. Um die Erfahrungen des Praktikums nicht zu einer einmaligen Aktion werden zu lassen, gibt es für engagierte Jugendliche die Möglichkeit sich in einigen Einrichtungen auch weiterhin einzubringen. Sie können beispielsweise die Projekttage einer Förderschule mitgestalten oder ihnen anvertraute Senioren weiter betreuen.
Das Compassion-Praktikum wurde im Schuljahr 2002/2003 am Egbert-Gymnasium eingeführt. Sein Wert und seine Bedeutung werden on Eltern und Schüler.
COMPASSION
Am Freitag, den 18.02.2011, kamen die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe im Speisesaal des Egbert-Gymnasiums zu einem gemeinsamen Frühstück zusammen. Hier begrüßte sie der Schulleiter Herr OStD Scheller nach ihrem Compassion-Praktikum.
Auch Abt Michael war gekommen, um sich mit den jungen Menschen und den für das Praktikum verantwortlichen Lehrkräften, Frau Weber-Brandt, Herrn Heß und Herrn Bürger über die Erfahrungen der letzten beiden Wochen auszutauschen. Die Schüler hatten die Schulbank mit einem Arbeitsplatz in einem Altenheim, einem Krankenhaus, einer Förderschule, einem Kindergarten mit Förderangebot, einer Sprachheilschule oder einer anderen sozialen Einrichtung eingetauscht. Schon während der ersten Minuten war klar, dass die Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse bereichernd für die jungen Menschen waren. Der gesamte Tag diente der Nachbereitung des Praktikums. Nach dem gemeinsamen Frühstück konnte man während einer Meditation unter Anleitung von Pater Zacharias die wichtigen und besonderen Momente des Praktikums noch einmal Revue passieren lassen. Dann folgte die Besprechung in den einzelnen Klassen. Zusammen mit den jeweiligen Fachlehrern konnten die Schüler ihre Erfahrungen ihren Mitschülern schildern. In Diskussionen, bei der Beantwortung von Fragen sowie bei der Vorbereitung eines Praktikumsberichtes konnte das Erlebte noch einmal überdacht und zusammengefasst werden.
Die Schülerinnen und Schüler schätzten den Wert dieser Erfahrung für ihre eigene Persönlichkeit. Einige Zitate sollen das verdeutlichen.
„Ich hätte nie gedacht, dass alte Menschen noch so viel Lebensfreude ausstrahlen.“
„Es war eine Selbstverständlichkeit für mich, die Kranken zu waschen.“
„Ich habe noch nie so viel gelacht wie beim Spiel mit den Kindern in der Förderschule.“
„Ich werde regelmäßig Besuche im Altenheim machen.“
„Ich habe großen Respekt vor Menschen, die in einer Pflegeeinrichtung arbeiten“
Andrea Weber-Brandt, Compassion-Team

- Julia Murschel und Johanna Winzig
„Werte machen stark“
Delegierte des EGM stellen bei Werte-Kongress das „Compassion“-Praktikum vor
Schule soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch den Charakter bilden. Was bereits in der bayerischen Verfassung verankert ist, soll nun endlich auch in den Köpfen der Menschen ankommen. Unter dieser Zielsetzung fand am 20.02.2008 der erste Wertekongress unter dem Motto „Werte machen stark“ in der Münchner FH statt.
Allein die Tatsache, dass doppelt so viele Teilnehmer wie geplant beim Kongress anwesend waren - nämlich um die 700 - zeigt, dass Werteerziehung nicht mehr nur ein Ideal darstellt. Vielmehr entwickelt sie sich zu einer realen Notwendigkeit im alltäglichen (Schul-)Leben. Unter den prominenten Gästen wie dem bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Siegfried Schneider, dem sozial engagierten Sänger Peter Maffay, der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Pater Walter Happel, dem Rechtsanwalt Dr. Dr. Rainer Erlinger, Prof. Dr. Bernhard Bueb und vielen mehr befand sich auch eine kleine Delegiertengruppe des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach, bestehend aus den Lehrern Andrea Weber-Brandt und Dr. Herbert Müller sowie den Schülerinnen Julia Murschel und Johanna Winzig. Diese sollten das schulinterne Sozialpraktikum „Compassion“ im Zuge eines der zehn Foren des Kongresses vorstellen. Vor den Foren standen allerdings für alle Teilnehmer einleitende Grußworte der Verantwortlichen, einführende Sachreferate zur Thematik „Werte“ und eine abschließende Podiumsdiskussion auf dem Programm.
Im Anschluss daran verteilten sich die Anwesenden auf die einzelnen Foren mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. So gab es neben Veranstaltungen zum Thema „Werte altersgerecht“ auch das dem Compassionteam zugewiesene Forum „Werte erleben“.
In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Lothar Kuld, der das Compassionprojekt vor einigen Jahren ins Leben gerufen hatte, stellten die Münsterschwarzacher Lehrer den Ablauf und die Organisation des Sozialpraktikums vor. Der Schwerpunkt des Forums lag jedoch im anschließenden Erfahrungsbericht der beiden Schülerinnen. Diese hatten im Jahr zuvor in der Erich-Kästner-Förderschule und in der Mainfränkischen Werkstätte, beides in Kitzingen, ihr Praktikum im sozialen Bereich absolviert. Anhand von Symbolen veranschaulichten die Schülerinnen einige Werte, die ihnen während des Praktikums wichtig wurden. So stand ein Löffel, der für das Füttern alter oder behinderter Menschen gebraucht wurde, für den Wert der Hilfsbereitschaft. Einige Briefe von Heimbewohnern bewiesen das Vertrauen, das in kurzer Zeit aufgebaut werden konnte. Eine abgeschnittene Krawatte dagegen zeigte, dass das Praktikum nicht nur ein notwendiges Opfer darstellt, sondern auch viel Freude machen kann. Julia Murschel präsentierte den halbierten Schlips, den sie am „unsinnigen Donnerstag“ vor Fasching von einem Bewohner geschenkt bekam. Damit möglichst viele junge Menschen derartige Werte wie Hilfsbereitschaft, Vertrauen und Freude vermittelt bekommen, absolvieren alle Elftklässler des Egbert-Gymnasiums das Sozialpraktikum.
Nach einer kurzen Kaffeepause, in der man sich aktiv über die vorgetragenen Inhalte austauschen konnte, stand am Ende des Kongresses eine zweite Podiumsdiskussion an. Moderiert von Werner Siebeck debattierten fünf Prominente, u.a. Peter Maffay und Charlotte Knobloch, zum Thema „Werte durch Autorität und Vorbild?“.
Nach diesem attraktiven Abschluss bleibt nur zu hoffen, dass diesen Worten auch Taten folgen werden.
Julia Murschel, Johanna Winzig, K12
„Alle Menschen sind gleich“, ...
... und doch scheint manchen ein „schlechteres“ Schicksal als anderen vorherbestimmt zu sein. Die gegenseitige Hilfe, d.h. die Unterstützung von diesen „benachteiligten“ Menschen - von Armen, Alten, Kranken, Schwachen, Behinderten, …. - muss gerade in der heutigen, immer mehr an Leistung orientierten Welt bewahrt werden. Der Mensch mit seiner Nächstenliebe und seinen Werten darf nicht in Vergessenheit geraten. Mit dieser Thematik – dem Erhalt sowie der Förderung von Werten in der heutigen Zeit – beschäftigen sich nach dem großen Auftakt im Zuge des Wertekongresses in München unter dem Motto „Werte machen stark“ auch weiterhin verantwortungsbewusste Politiker und Lehrkräfte.
Ein nächster Schritt in diese Richtung war die Fortbildung „Werteorientierte Schulerziehung“.
Über 120 Fachkräfte nahmen an dieser Fortbildung in der „Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung“ in Dillingen teil.
Mit dabei war das EGM. Nach einer kurzen Einführung von Professor Kuld, der die Konzeption des Projektes vorstellte, und von Andrea Weber-Brandt, die die Implementierung des Praktikums an der Schule erläuterte, präsentierten Julia Murschel und Johanna Winzig das an ihrer Schule unterstützte Sozialpraktikum „Compassion“ vor den erwartungsvollen Fortbildungsteilnehmern. Die Schlagworte „Dankbarkeit, Vertrauen, Gemeinschaft, Betroffenheit, Respekt und Anstrengung“, die ihre Erfahrungen beim Praktikum veranschaulichen sollten, beeindruckten nicht nur die anwesenden Lehrer und Organisatoren, sondern auch den Amtschef des Kultusministeriums, Josef Erhard und den Direktor der Akademie, Dr. Paul Olbrich.
Insbesondere die vorgetragenen Bedeutungen der Schlagworte konnten von der Richtigkeit und dem persönlichen Nutzen eines solchen Sozialpraktikums für die Schüler und die „bedürftigen“ Menschen überzeugen:
• Dankbarkeit, die einem von den Behinderten, Alten oder Kranken während des Praktikums entgegengebracht wurde und die Schüler beeindruckt hat.
• Gemeinschaft - als Synonym für den enormen Zusammenhalt und die schnelle Integration in die zu unterstützenden Gruppen der einzelnen Institutionen.
• Vertrauen - als eine ganz neue Erfahrung der schnellen Verbundenheit mit „anderen“ Menschen.
• Betroffenheit - als Reaktion auf die Schicksale der „Gehandycapten“, die einen das eigene „gesunde“ Leben wertschätzen lässt.
• Respekt - als Grundlage für jedes(!) menschliche, friedliche Zusammenleben.
• Anstrengung - als ein Nebeneffekt, der dem Arbeiten mit solchen Menschen ein realistisches Bild gibt.
Ziel war es, die beeindruckenden Erfahrungen von „Compassion“ denjenigen nahe zu bringen, die als Multiplikatoren dafür sorgen können, dass das Projekt auch weiterhin und an anderen Schulen unterstützt wird. Auch der Initiator der Idee „Compassion“ Prof. Dr. Lothar Kuld weiß, dass das Projekt nie abgeschlossen sein und immer Kritiker haben wird. Dennoch lohnt es sich, Einsatzbereitschaft zu zeigen. Dabei zeugt die überwiegend positive Resonanz auf den Vortrag von einem weiteren kleinen Erfolg in Richtung „Werte machen stark!“
Julia Murschel, Johanna Winzig, K12
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