„Nachdenken, nicht verzweifeln!“

Auschwitz-Überlebende Eva Erben spricht vor Schülern des Egbert-Gymnasiums

 „Hunden und Juden ist der Eintritt verboten.“ Dieses Schild las die neunjährige Eva Erben, als sie in einer Eisdiele an einem Sonntag im Jahr 1938 Eis kaufte. Darüber abgebildet war ein hässlicher Mann mit Hakennase, der einen Juden darstellen sollte, was sie nicht begriff. Fast 80 Jahre später erzählte sie den Schülerinnen und Schülern des Egbert-Gymnasiums von ihrer schicksalhaften Kindheit  als jüdisches Mädchen im Sudetenland. Die Schüler lauschten gebannt ihren Ausführungen.

Aus dem Sudetenland wurde sie zunächst mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert und in das dortige Ghetto gepfercht. Anschließend folgte eine dreitägige Zugfahrt nach Auschwitz, wo über eine Million Menschen den Tod fanden. Frau Erben erinnert sich an die Schlote der Krematorien, die einen fürchterlichen Geruch verbreiteten. Auch wenn das kleine Mädchen die Hölle von Auschwitz nicht verstand, war ihr doch klar, dass sie hier nicht wie ein Mensch behandelt wird: „Ich habe zwei linke Schuhe bekommen. Als ich mir einen rechten nehmen wollte, schlug mir ein SS-Mann zwei Zähne aus.“

Nachdem die Familie in Großrosen in einem Arbeitslager eingesetzt worden war, rückte die Front immer näher. Es folgte der Todesmarsch, an dem die kleine Eva mit ihrer Mutter und rund 1000 Frauen teilnehmen musste. Täglich mussten sie 25 bis 30 Kilometer laufen, nachts gab es zum Teil keinen Unterschlupf, obwohl es Winter war und strengen Frost gab. Eines Nachts verkroch sich die kleine Eva in einem Stall bei einer Kuh, die sie wärmte. Als das Mädchen am nächsten Tag nicht aufzufinden war, zog  der Tross weiter, zum Glück für sie: Drei Tage irrte sie noch umher, bis sie von einer Bauersfrau an einem Fluss gefunden und versteckt wurde. Einige Monate später war der Krieg zu Ende. Bis auf eine Tante, die keine Jüdin war, waren alle Verwandten tot.

Frau Erben erzählte den Schülern anschließend aber auch, wie sie mit den Leiderfahrungen umging. 40 Jahre lang hat sie nicht darüber gesprochen, um einen Weg ins Leben zu finden. Die Auswanderung nach Israel hat geholfen. Mit ihrem Mann, den sie als Kind schon in Theresienstadt kennen gelernt hatte, konnte sie sich eine Existenz aufbauen. Frau Erben appellierte an die Schüler, den Mut nicht zu verlieren: „Das Leben ist nicht einfach, auch wenn man nicht in Auschwitz ist. Aber man kann alles überwinden, wenn man sich damit abfindet, wenn man die Grenze findet, wie weit man gehen kann.“ Ihre Appelle klingen wie konkrete Lebenshilfe: „Nachdenken, nicht verzweifeln! Alles geht, nur der Wille muss da sein. Man muss kämpfen, um etwas zu erreichen. Nichts kommt von allein, nur die Suppe bei der Mama. Ich kann mich umbringen, aber ich kann auch leben und Leben geben.“


Aktuelles aller Kategorien