„Ich bin sicher, dass es Selbstmord war“

Autor Alois Prinz spricht am EGM über Leben und Tod von Ulrike Meinhof

„Lieber wütend als traurig“, so lautet der Titel des Buches, das der Schriftsteller Alois Prinz im Rahmen einer Lesung am Egbert-Gymnasium vorstellte. Gegenstand des Buches ist das Leben von Ulrike Meinhof, die bis heute polarisiert: Für die einen ist sie Terroristin, für die anderen Vorkämpferin für eine neue Gesellschaft. „Entsprechend schwierig war es“, so erinnerte sich Prinz, „für dieses Buchprojekt einen Verlag zu finden.“

Prinz erzählte zunächst von der religiösen Prägung der jungen Ulrike, unter deren Vorfahren sich viele evangelische Pfarrer finden und die selbst in einer katholischen Schule erzogen wurde. Nach dem Abitur wollte sie eigentlich Lehrerin werden, aber der Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gab dem Lebenslauf eine entscheidende Wendung. Als Kolumnistin der Zeitschrift „Konkret“ kommt sie auch mit kommunistischem Gedankengut in Kontakt. Sie wird zu einer der berühmtesten Frauen in Deutschland, ist politische Journalistin und arbeitet für den Hörfunk. Sie wettert gegen den Vietnamkrieg und fordert die Aufarbeitung der NS-Zeit ein.

Gesundheitliche und private Probleme, das Ende ihrer Ehe mit Klaus Rainer Röhl, führen zu einem Bruch. Ulrike Meinhof setzt ihren Lebensweg zusammen mit ihren beiden Kindern in Berlin fort und erlebte 1967 die Tötung von Benno Ohnesorg durch einen Polizisten. Hinzu kommt ein Jahr später das Attentat auf Rudi Dutschke. Mit den Kaufhausbränden in Frankfurt beginnt anschließend die Radikalisierung der Studenten. Meinhof beteiligt sich an der Befreiung von Andreas Baader und befindet sich ab diesem Zeitpunkt im Untergrund: Aus der geachteten Journalistin war eine gesuchte Terroristin geworden. Sie wird später gefasst und stirbt am 8. Mai 1976 im Gefängnis.

„Ich bin sicher, dass es Selbstmord war“, legte sich Alois Prinz vor den Schülern des Egbert-Gymnasiums fest. Ulrike Meinhof befand sich seiner Ansicht nach in einer ausweglosen Situation, weil sie einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe entgegensah und ihre beiden Kinder nicht aufwachsen sehen konnte. Außerdem gab es große Spannungen zu den anderen Terroristen Baader und Ensslin. Aus der Sicht von Alois Prinz konnte Ulrike Meinhof den Widerspruch zwischen der christlichen Prägung und den politisch motivierten Mordanschlägen nicht mehr aushalten.

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