Die fränkische Schülerzeitung "Peer" räumt bundesweit ab

  

Von Daniel Staffen-Quandt, epd

 

Am katholischen Egbert-Gymnasium in Münsterschwarzach machen sie eine preisgekrönte Schülerzeitung. Dass "Peer" so erfolgreich ist, liegt auch an Lehrer Reinhard Klos. Vor allem aber an den rund 60 Schülerinnen und Schülern, die das Magazin machen.

  

Gerade eben noch haben die Elftklässer des Münsterschwarzacher Egbert-Gymnasiums fast unbeteiligt auf die Themenliste gestarrt, die ihnen ihr Lehrer Reinhard Klos per Beamer an die Wand geworfen hat. Doch plötzlich entbrennt eine heiße Diskussion. Über Greta Thunberg, Klimaziele, Umweltschutz, Plastikmüll, über Mitschüler, die zwar gerne freitags beim Klimastreik mitmachen, sonst aber nicht umweltbewusst leben. "Wenn eine Diskussion so Fahrt aufnimmt, weiß man: Das ist ein Thema für die nächste Ausgabe", sagt Klos. Er leitet die wöchentliche Redaktionssitzung der preisgekrönten Schülerzeitung "Peer".

 

Die Schüler des katholischen Gymnasiums der Benediktinerabtei im unterfränkischen Münsterschwarzach (Kreis Kitzingen) haben in den letzten Monaten mit "Peer" quasi alles an Preisen eigeheimst, was für Schülerzeitungen im Freistaat und darüber hinaus zu holen ist: Natürlich den Schülerzeitungspreis Unterfranken, zudem waren sie Gymnasial-Sieger beim "Blattmacher"-Wettbewerb von "Süddeutscher Zeitung" und Kultusministerium, Sieger beim Wettbewerb "Die Raute" der CSU-nahen Hanns Seidel Stiftung und jetzt auch Gewinner in der Kategorie Gymnasium beim Schülerzeitungswettbewerb der Länder.

 

Da kann sich manches Stadtmagazin was abschauen

 

Wer einen Blick ins Sieger-Magazin wirft, das zwei Mal pro Schuljahr in einer vollfarbigen Hochglanzausgabe erscheint, staunt nicht schlecht: Inhaltlich spannen die 60 Autoren einen Bogen von Konzertkritiken und Künstler-Interviews über Lokalpolitisches und eigene Hobbys bis hin zu Reportagen über schwer erkrankte Schulkameraden oder Alumnis mit besonderer Geschichte. Grafisch ist alles derart gut in Szene gesetzt, dass sich manches Stadtmagazin davon eine Scheibe Professionalität abschneiden könnte. Einige Texte sind fast perfekt, manchmal holpert es noch. Das darf es aber auch. Es ist eine Schülerzeitung.

 

Elftklässlerin Paulina Issig (17) ist seit der siebten Klasse dabei. Von Anfang an hat sie sich um das Erscheinungsbild von "Peer" gekümmert, ihr Papa ist Grafikdesigner. "Da lag das irgendwie nahe, dass ich das mache - ich kannte mich mit den Programmen von zu Hause her schon ein bisschen aus", erinnert sie sich. Bis heute ist sie begeistert dabei, bildet zusammen mit einer Zwölftklässlerin inzwischen die Chefredaktion. "Ich habe bis vor einem Jahr auch gedacht, dass ich das später vielleicht mal beruflich machen will", erzählt sie. Doch mittlerweile weiß sie: Layouten soll ihr Hobby bleiben und kein Job werden.

 

Ähnlich ist das bei der 16-jährigen Nicola Funcke: "Ich schreibe gerne über Themen, die mich bewegen." Umwelt- und Klimaschutz etwa, oder Nachhaltigkeit. "Aber ich mache das zum Spaß - Journalismus, das wäre mir als Beruf ein zu hartes Geschäft", sagt Nicola. Schon bei "Peer" müsse man um und für seine eigenen Geschichten kämpfen, um genug Platz in der nächsten Ausgabe dafür zu bekommen. Aktuell planen die Redakteure die Juli-Ausgabe, vor kurzem erst ist die Februar-Ausgabe erschienen. Im nächsten Heft wird es nun also um Klimastreiks gehen, aber auch um Fußball, Kaninchen und eine Alpenwanderung.

 

Der Lehrer engagiert sich seit 14 Jahren

 

Das organisatorische "Mastermind" hinter "Peer" - was übrigens eine Abkürzung für "Peergroup" ist, also etwa für Gemeinschaft, Gruppe oder auch Zusammenhalt steht - ist Lehrer Klos. Seit über 14 Jahren engagiert er sich für die Zeitung und leitet das zweistündige Projekt-Seminar in der elften Klasse. "Wir haben also jede Woche zwei Schulstunden Zeit für 'Peer'", erläutert Klos: "Ohne diesen Rahmen könnten wir keine Zeitung auf diesem Niveau machen." Dass er sich so einbringt, liegt in seiner Vergangenheit: "Für mich war im Studium bis zuletzt offen, ob ich Journalist oder Lehrer werden möchte."

 

Für die Schüler ist der Deutsch-, Geschichts- und Sozialkundelehrer ein Glücksfall. Denn neben seiner eigenen Erfahrung als freier Mitarbeiter bei der Lokalzeitung in Kitzingen hat er in München auch Kurse an der katholischen Journalistenschule ifp belegt. Das Magazin "Peer" wird seit Klos' Amtszeit auch immer wieder weiterentwickelt. Von der Schwarzweiß-Kopie hin zum farbigen Hochglanzdruck, aber auch in digitaler Hinsicht. Seit drei Jahren heißt die Zeitung offiziell "Peer plus" und hinter dem "Anhängsel" verstecken sich Videos, Podcasts sowie weitere Zusatzangebote, die ein eigenes Filmteam erstellt, für das Lehrer Martin Pohl zuständig ist.

 

Bayerische Schülerzeitungen erfolgreich

 

Bayern scheint auch insgesamt ein guter Platz für Schülerzeitungen zu sein. In drei von sechs Kategorien beim Schülerzeitungspreis der Länder hatten Magazine aus dem Freistaat die Nase vorn, unter den ersten drei in jeder Kategorie war mindestens eine bayerische Zeitung - und in der Kategorie Hauptschule stammen sogar alle drei Erstplatzierten aus dem Freistaat. Auch bei den Sonderpreisen waren die Teilnehmer aus Bayern gut vertreten. Verliehen werden die Auszeichnungen im Frühsommer im Bundesrat in Berlin. Für jeden ersten Platz gibt es übrigens 1.000 Euro Preisgeld - auch die anderen Gewinner erhalten Geldpreise.

 

"Deutscher Meister in seiner Klasse zu sein, das ist schon toll", findet Lehrer Klos: "Es ist allerdings auch eine Verpflichtung, es weiterhin gut zu machen." Das findet auch Elftklässlerin Nicola Funcke: "Es ist schon eine Ehre, in einer mehrfach ausgezeichneten Schülerzeitung schreiben zu dürfen." In der nächsten Ausgabe wird auch wieder mindestens ein Text von ihr erscheinen.

 

 

 

Daniel Staffen-Quandt

 

Redakteur

 


Quelle: https://www.sonntagsblatt.de/artikel/bayern/die-fraenkische-schuelerzeitung-peer-raeumt-bundesweit-ab

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