Astronomie und Glaube

Vortrag von P. Christoph Gerhard OSB für die 10. Jahrgangsstufe am 12.04.2018

Glaube und Naturwissenschaft schließen sich grundsätzlich aus - ganz und gar nicht, meint Pater Christoph, langjähriger Hobbyastronom und Cellerar der Abtei. Diese aus Sicht mancher Schüler gewagte These begründete er in einem 90-minütigen Vortrag in der Aula. Während für viele galt: „wenigstens kein Unterricht", hatte der zweiteilige Vortrag auch Interessantes zu bieten für all jene, die sich weder als astronomisch interessiert  noch als sonderlich gläubig bezeichnen würden und aufmerksam lauschten. In der ersten Hälfte wurde Pater Christophs Faszination für Phänomene des Kosmos deutlich, von der sich auch Laien angesteckt fühlten. Einst selbst ein Newbie auf diesem Gebiet, erklärte sein Onkel ihm bei nächtlichen Autofahrten den Sternenhimmel – nun schwärmt der Cellerar von Jupiter als „kosmischem Staubsauger", Kugelsternenhaufen, Supernovae und der Möglichkeit für uns Menschen, durch das Licht ferner Sterne Milliarden Jahre in die Vergangenheit blicken zu können. Bei solchen Errungenschaften der heutigen Zeit solle der einzelne Mensch nicht in festgefahrenen Routen denken, sondern über den eigenen Tellerrand hinausschauen, so Pater Christoph. In der zweiten Hälfte folgte die Gegenüberstellung des bereits Genannten mit dem Glauben. So wurden die Planeten von Griechen und Römern als Götter verehrt, die Himmelsscheibe von Nebra als bedeutendes, wissenschaftliches Instrument wie ein Fürst bestattet. Berühmte Astronomen wie Johannes Kepler sahen sich selbst als eine Art Priester, da sie mit ihrer Forschung die Schöpfung verehrten.

Selbst der berühmte Zwist zwischen dem Astronomen Galileo Galilei und der katholischen Kirche war weniger von grundverschiedenen Weltbildern geprägt (Galilei wollte eine Reform, keine Spaltung der Kirche), sondern vielmehr durch eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und Papst Urban VIII. bedingt.

Diese Zusammenhänge erklärt folgender Ausspruch Pater Christophs:

„Ein Irrtum über die Schöpfung zieht einen Irrtum über den Schöpfer nach sich, deshalb muss der gläubige Mensch Naturwissenschaft betreiben, um etwas über Gott zu lernen."

Dennoch könnten weder die Wissenschaft noch der Glaube allein alles erklären; erst zusammengeführt ermöglichten sie dem Menschen die Erkenntnis der Welt. Dass diese Theorie der gegenseitigen Ergänzung auch auf andere Bereiche des Lebens erfolgreich anwendbar ist, sollte klar sein. In diesem Sinne, ein Hoch auf mehr Dialog und Offenheit, gerade in diesen schwierigen Zeiten!

Tarik Carstens, 10c

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