Afrika-Fahrt

 

Als wir, eine Gruppe von 6 Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangsstufe des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach am Morgen des 19. Juli 2017 unsere Reise nach Tansania begannen, wussten wir noch nicht so recht, was uns die nächsten drei Wochen erwarten würde. Im Vorfeld hatten wir natürlich viel Gutes, aber auch einiges Schlechte über Afrika gehört, und hatten uns in zahlreichen Stunden von Bruder Julian erzählen lassen, wie man in Afrika „tickt“ und wie man die Differenzen der doch so unterschiedlichen Kulturen, der europäischen und der afrikanischen überwinden könne.

Entsprechend aufgeregt waren wir dann, als unser Flugzeug in der darauffolgenden Nacht in Daressalam landete. Der erste Eindruck: Ein fröhliches, offenes Land mit vielen, netten Menschen, das in vielerlei Hinsicht anders ist als alles, was wir vorher jemals gesehen haben, ja sogar anders riecht. Immer wieder herausstechend war die Gastfreundschaft der Menschen, was wir schon in unseren ersten Stunden in Afrika im Gästehaus der Benediktiner in Kurasini, einem Vorort der Hauptstadt des ostafrikanischen Landes, erfahren durften.

Am nächsten Tag stürzten wir uns direkt nach dem Frühstück in den Trubel Daressalams, des Kultur-, und Handelszentrums Tansanias. Father Xaver Komba, ein Freund von Br. Julian, legte uns in einem interessanten Vortrag zunächst die Geschichte der deutschen Mission in Ostafrika dar, anschließend zeigte er uns bei einem Stadtspaziergang seine Lieblingsplätze der Stadt, z.B. den Fischmarkt, oder die Kathedrale der deutschen Kolonialisten.

 

Nach einer zermürbenden 18 Stunden langen Fernbusfahrt einmal quer durchs Land tat es gut, von den Mönchen der Abtei Hanga im Südwesten Tansanias herzlichst aufgenommen zu werden. Noch in der Nacht bereitete Br. Germanus, der Leiter des Gästehauses des Klosters, uns ein wohltuendes Abendessen.

Der nächste Tag war geprägt von großer Freude der Bewohner in und um der Abtei über uns und vor allem über das Wiedersehen mit Bruder Julian, der ja schon einige Jahre vor uns als Missionar in Hanga tätig gewesen war. Den Höhepunkt dieses ersten Tages stellte das Treffen mit den Schülern von Bruder Julian dar, diese waren begeistert ihren Lehrer wiederzusehen, der mit ihnen zusammen unter anderem aus dem Nichts ein komplettes Streicherorchester aufgebaut hatte, und dieses ließ es sich nicht nehmen, einige Stücke für die Gäste zum Besten zu geben. Diese Gastfreundschaft half uns auch in den folgenden Tagen den interkulturellen Dialog zu versuchen, uns auch durch diesen fordern zu lassen und das Ziel einer Partnerschaft zwischen Hanga und Münsterschwarzach weiterzuverfolgen. Bruder Julian stand uns stets mit Rat und Tat zur Verfügung und führte uns nicht nur durch die Abtei, sondern unter anderem auch auf zahlreichen Wanderungen z.B. zu einer Vorschule des Hanga Seminary (Pre Form 1) mitten in der Natur, mit anschließender Verkostung von Bananen und Ananas aus eigenem Anbau der Schüler, oder auch auf kleinere und größere Berge in der Region, genauso wie auf einem Ausflug nach Songea, der nächstgrößeren Stadt, wo es unter anderem, mit der Empfehlung von Fr. Xaver, ein Oldtimer-Feuerwehrauto der Marke MAN zu bestaunen gab, welches in den Augen der Feuerwehrleute dort immer noch das beste Arbeitspferd sei.

War Bruder Julian einmal mit dem Unterrichten seiner Geigenschüler beschäftigt, war die Schulleitung um Direktor Fr. Chrysostom und Konrektor Fr. Ansgar stets um unser Wohl besorgt, sodass die eineinhalb Wochen in Hanga wie im Flug vergingen.

 

Nach einer rührenden Abschiedsfeier ging es für uns am nächsten Tag mit einem Jeep nach Peramiho. Auch eine Reifenpanne unterwegs konnte uns nicht aufhalten, der Reifen war mithilfe der Lehrlinge der Autowerkstatt der Abtei Peramiho, die uns entgegenkamen, schnell behoben.

Durch das Kloster, das nicht nur aufgrund der Abteikirche wie Münsterschwarzach anmutet, sondern auch aufgrund zahlreicher deutscher Gegenstände, wie z.B. deutscher Druckmaschinen aus den 1960er Jahren, und dem deutschen Essen aus der Klostermetzgerei, fühlten wir uns fast wie zu Hause.

Schon tags darauf führte uns unsere Reise weiter in die Partnerdiözese des Bistums Würzburg, Mbinga, wo es uns eine besondere Ehre war von Bischof John Ndimbo persönlich empfangen zu werden und von ihm durch das Gelände der Bischofskirche geführt zu werden. Ganz besonders stolz war der Kirchenmann auf seinen integrativen Kindergarten, in dem er versucht Eltern und anderen Kindern zu zeigen, dass auch Menschen mit Albinismus einen Platz in der Gesellschaft haben und es keine Option ist diese zu verstecken, was leider zu oft der Fall sei.

 

Zwei Tage später folgte dann ein déja-vu-Erlebnis: 10 Stunden brauchte der Fernbus dieses Mal von Mbinga bis Iringa; von dort brachen wir am darauf folgenden Morgen zu einer Safari in den Ruaha-Nationalperk auf; auf der Safari gab es aus nächster Nähe Nilpferde, Krokodile, Elefanten, Giraffen und sogar einen Leoparden zu bestaunen.

 

Je mehr wir uns dann der Hauptstadt Daressalam und somit auch der Küste näherten, wurde immer klarer, dass sich unsere Afrika-Reise dem Ende zuneigte. In Kurasini anzukommen fühlte sich schon fast so an als wäre man schon wieder daheim angekommen. Im Gespräch am Abend mit Pater Sebald, dem deutschen Spiritus Rector des Gästehauses, wurde mir dann eigentlich zum ersten Mal bewusst, welch vielfältige Erfahrungen ich während dieser Reise sammeln durfte, konnte ich doch jetzt auf einmal vieles besser begreifen; dasselbe fiel mir auch am Abend der Abreise auf, als Fr. Xaver nochmal zu uns ins Gästehaus kam, um „kwa heri“ zu sagen und nochmal zu bekräftigen, dass interkultureller Dialog auf Gegenseitigkeit beruhe und nicht nur „der Afrikaner“ vom „Europäer“ lernen könne, sondern auch „der Europäer“ vom „Afrikaner“; kurz darauf spaltete sich die Gruppe, nur ein Teil flog zurück nach Deutschland, um dorthin, vielleicht auch etwas nachdenklich, die immensen Unterschiede der beiden Länder und Kulturen betreffend, ihre Erfahrungen mitzubringen.

 

 

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